Bericht zur zweiten Förderung

Vorbemerkung

Teil der Förderung durch die Studienkommission für Hochschuldidaktik ist die Abgabe eines Bericht auf der Plattform LehrForum.de. Da die Inhalte dort ohne Anmeldung nicht einsehbar sind, veröffentliche ich den Bericht parallel hier. Aus Gründen wurde der Text leicht ediert.


Projektziele

Unter “Agiles Studieren” ist eine Veranstaltungsform, die das eigenverantwortliche Lernen fördern soll. Zentrale Aspekte sind dabei regelmäßiges Feedback, (gewünschte) Arbeit in Lerngruppen und eigenständige Lernplanung. Die Ideen dazu gehen auf Vorgehensmodelle für Softwareentwicklungsprojekte zurück.

Agiles Studieren wurde vor 3 Jahren im Rahmen des Lehrprojekts “Heterogenität als Chance” initial gefördert und inhaltlich weiterentwickelt. Siehe hier.

Hauptziel dieses Projekts war die Etablierung einer geeigneten Unterstützungssoftware. Mit Hilfe dieser wird zum einen die Kompetenz gefördert “… fachübergreifend komplexe Sachverhalte strukturiert, zielgerichtet und adressatenbezogen darstellen…” (aus der Beschreibung des DQR-Niveaus 5). Zum anderen soll der Aufwand der Lehrenden beim Bewerten der Arbeitsergebnisse und Geben von Feedback verringert werden.

Nebenziele waren die Identifizierung und Validierung von Erfolgsfaktoren, z.B. Prozess der (Lern-) Gruppenzusammensetzung, Einsatz von Basismethoden, gruppeninterne und -externe Kommunikation, sowie die Anforderungen an die Unterstützungssoftware aus studentischer Sicht.

Projektmaßnahmen

Vor Projektbeginn lag ein erster Prototyp für die Unterstützungssoftware vor. Dieser wurde vom Antragsteller realisiert, war jedoch nur für eigene Experimente / Designstudien zu verwenden.

Mit Hilfe einer studentischen Hilfskraft, konnte ein benutzbares graphisches Design für die Webanwendung realisiert werden. Der Antragsteller steuerte die notwendige interne Ablauflogik dazu und zum Beginn des Wintersemesters war ein erste, benutzbare Webanwendung für den Einsatz in der Lehre verfügbar. Diese wurde im Laufe der Monate Oktober bis Dezember 2017 um Anforderungen seitens der Studenten und der unmittelbaren Bedürfnisse der Lehrenden erweitert.

Von Studenten wurden zwei Bachelorarbeiten ausgeführt, die sich a) mit Methoden zur Gruppeneinteilung und b) mit weiteren möglichen Basismethoden zum Semesterablauf beschäftigten.

Neben der Evaluation der Maßnahme durch die Studienkommission für Hochschuldidaktik wurde eine Evaluation der Software durch die teilnehmenden Studenten durchgeführt.

Projektergebnisse / Projekterfahrungen

Die Unterstützungssoftware ist im Kontext des Antragsstellers und seiner Kollegen im Studiengang “Wirtschaftsinformatik” einsatzfähig. Die innere Qualität der Software ist gegeben (kein Ausfall seit Inbetriebnahme). Die Software wurde von den Studenten sofort akzeptiert, ganz im Gegensatz zu der früheren Ersatzlösung auf Basis eines klassischen Ticketsystem aus dem IT-Management.

Das (Basis-) Vorgehensmodell wurde von Scrum zu einem Scrum-Kanban-ähnlichen Modell gemeinsam mit den Studenten umgestaltet. Während die expliziten Planungsphasen von Scrum von den Studenten nicht angenommen wurde, fehlte den Studenten bei einem reinen Kanban-Modell die Einteilung in explizite Lernphasen. Die Änderungen wurden in der Software berücksichtigt.

Mit Hilfe der Software hat sich der Aufwand des Lehrenden zur Begutachtung der Arbeitsergebnisse mitsamt Feedback wesentlich verringert. Musste der Antragsteller vorher pro Lernphase einen Arbeitstag einkalkulieren, ist es mit der neuen Software möglich, dies in 2 bis maximal 3 Stunden zu bewältigen. Damit entspricht der Aufwand der Lehrenden nun tatsächlich den ausgewiesenen Semesterwochenstunden.

Zugleich wurde, in Abstimmung mit den Studenten, die Dauer einer Lernphase von zwei Wochen auf eine Woche verkürzt. Dies ist ebenfalls nur durch die Software so möglich gewesen. Im Ergebnis erhalten die Lerngruppen so schneller Rückmeldungen auf ihre Arbeitsergebnisse.

Die Bachelorarbeit zur Gruppeneinteilung hat erste Vorschläge entwickelt. Auf Grund Jahresfristen dieses Projekts und der persönlichen Planung des Studenten konnten dessen Ergebnisse nur teilweise validiert werden. Validiert wurde die Modellvorhersage auf ein (relatives) Versagen von Gruppen. Da diese Arbeit vom Studenten unter eine freie Lizenz gestellt wurden, ist diese als Material verfügbar.

Die andere Bachelorarbeit untersuchte alternative (Basis-) Vorgehensmodelle. Etwas vereinfacht dargestellt, bestätigt die Arbeit die Änderung zu einem Scrum-Kanban-ähnlichen Modell (wenn auch mit Vorbehalten). Die Arbeit liefert weitere Modellvarianten, die weiter untersucht werden können. Diese Arbeit unterliegt leider keiner freien Lizenz.

Im Juli 2017 fand ein erstes Treffen von im deutschsprachigen Raum Interessierten an agilen Lehr- und Lernmethoden statt. Schwerpunkt war zwar die Anwendung im schulischen Kontext, jedoch stieß Agiles Studieren nicht nur bei den anwesenden Hochschullehrern auf positive Resonanz. Wichtig ist auch, dass die Protagonisten der verschiedenen Ansätze voneinander lernen können.

Zusätzliche Informationen / Nächste geplante Schritte

Die Methode Agiles Studieren wird im Sommersemester 2018 von einem Kollegen und einem Lehrbeauftragten im Studiengang “Wirtschaftsinformatik” verwendet werden. Dafür muss die Unterstützungssoftware weiter angepasst werden. Tiefergehende Analysen der Bachelorarbeiten sollen ebenfalls integriert werden.

Die Software soll auch so gestaltet werden, dass Dritte (z.B. an anderen Hochschule) diese mit Hilfe der lokalen Rechenzentren in Betrieb genommen werden können.

Diese Schritte sind durch eine Weiterförderung im Rahmen von HUMUS abgedeckt.

Ohne Unterstützungssoftware, aber mit den sonstigen Erkenntnissen aus den geförderten Projekten wird die Methode “Agiles Studieren” für eine Veranstaltung an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg erprobt. Der Antragsteller begleitet dieses Vorhaben als Coach.

Ein weiterer Schritt ist die Erstellung eines Leitfadens für Lehrenden, die Agiles Studieren einsetzen möchten.

Die Unterstützungssoftware soll, soweit sie allgemeiner einsetzbar ist, unter einer freien Lizenz auch im Quelltext veröffentlicht werden.