Das Wintersemester ist fast beendet, Zeit für eine kleine Retrospektive. Hat ja schon fast Tradition.

Zuerst die Ergebnisse der summativen Evaluation (Klausur):

  • 55 Studenten haben sich für das Agile Studieren angemeldet, das sind 3 mehr als im letzten Semester,
  • 65 Studenten wollten an der Klausur teilnehmen (23 mehr),
  • 58 Studenten haben an der Klausur teilgenommen (19 mehr),
  • 24 Studenten haben die Klausur bestanden (2 mehr).

Das entspricht einer Bestehensquote von etwas mehr als 40%, also in etwa der Mittelwert der beiden vorhergehenden Semester (Wintersemester 2018​/9: 30%, Sommersemester 2019: 50%).

Erst einmal fällt auf, dass sich die Klausurteilnahme signifikant erhöht hat. Im 2. Semester sind 46 Studenten eingeschrieben gewesen, aber nur 17 haben an der Klausur teilgenommen. Von den restlichen Teilnehmern hatten 20 in früheren Semestern die Klausur nicht bestanden, weitere 19 haben die Klausur um ein Semester aufgeschoben, 2 sogar um zwei Semester.

Zweisemester

Da das Fach “Einführung in das Projektmanagement” keine wesentlichen Voraussetzungen als einen gesunden Menschenverstand benötigt, verwundert mich die geringe Teilnahme der Zweitsemester. 5 weitere hatten zwar am Agilen Studieren teilgenommen, sich aber nicht für die Klausur angemeldet. Was haben die restlichen 24 Studenten in diesem Semester getan? Das bleibt mir unklar.

Dabei sieht die Datenlage bei den Zweitsemestern recht gut aus. Betrachtet man die 17 Studenten, so hat nur einer nicht am Agilen Studieren teilgenommen. Dieser hat ebenso wie 4 andere die Klausur nicht bestanden. Das entspricht einer Bestehensquote von über 70%. Von den 16, die am Agilen Studieren teilnahmen, waren 9 in weniger leistungsfähigen Gruppen. Hier haben 3 die Klausur nicht bestanden. Das bedeutet für die Gruppe der Zweisemester: wer mit den anderen in der eigenen Gruppe mitarbeitet (in diesem Semester waren es 7), besteht mit großer Wahrscheinlichkeit die Klausur. Nur einer hat es nicht geschafft.

Wiederholer

Die zweite Gruppe sind die 20 Studenten, die in früheren Semestern die Klausur nicht bestanden haben.

  • 3 haben aktiv beim Agilen Studieren teilgenommen. 2 haben bestanden, der in der am wenigsten aktiven Gruppe nicht.
  • 5 Studenten hatten sich zwar angemeldet, aber während des gesamten Semesters nichts getan. Davon waren 2 selbst in der Vergangenheit nicht beim Agilen Studieren aktiv, diese haben die Klausur nicht bestanden. Von den restlichen 3 haben 2 bestanden.
  • 2 waren regelmäßig während der Präsenztermine anwesend und haben bestanden.
  • 7 hatten in früheren Semestern am Agilen Studieren teilgenommen. 4 haben bestanden, 5 nicht.
  • 3 Studenten dieser Gruppen haben noch nie am Agilen Studieren teilgenommen, alle 3 haben die Klausur nicht bestanden.

Insgesamt haben aus dieser Gruppe 8 die Klausur bestanden. Dies entspricht einer Bestehenquote von 40%, also dem diessemestigem Durchschnitt.

Aufschieber

Die dritte Gruppe besteht aus 21 Studenten, welche an der Klausur zum ersten Mal teilgenommen haben, obwohl sie dies schon in früheren Semestern hätten tun können. Umgangssprachlich haben diese die Klausur geschoben. Davon haben 4 noch nie aktiv am Agilen Studieren teilgenommen, alle 4 haben die Klausur nicht bestanden.

Überhaupt haben in dieser Gruppe nur 3 Studenten die Klausur bestanden. Dies entspricht einer Bestehensquote von 14%. Allen drei ist gemeinsam, dass sie in diesem und in einem früheren Semester aktiv am Agilen Studieren teilnahmen. Von den anderen 18 Studenten haben dies nur 2 getan.

Arbeit im Semester

Auch in diesem Semester haben ich die Gruppen wieder auf Basis der Teilnehmerpräferenzen von einer Software ermittelt. Während im letzten Semester 12 Studenten die Teilnahme am Agilen Studieren einstellten, waren es in diesem Semester schon 19 Studenten. Von diesen 19 haben 9 ab der Klausur teilgenommen, 2 aus der Gruppe der Wiederholer haben bestanden. Die restlichen 10 haben sich nicht zur Klausur angemeldet, davon waren 6 aus dem 2. Semester.

Zu den Präsenzterminen waren immer 15 und mehr Studenten anwesend, in der ersten Woche waren es sogar 46 Studenten. Zum Gastvortrag von Thomas Michl über Kanban waren es 32. Sonst so um die 15 bis 20 Studenten. Der semesterweite Durchschnittswert von 22 Teilnehmern entspricht grob der Anzahl der in der Klausur erfolgreichen Teilnehmer…

Ich habe in diesem Semester zu fast allen Themenfeldern Übersichtspräsentationen gehalten. Feedback einiger Studenten war, dass sich diese bei Vorlesungen wohler fühlen. Mein Hinweis, beim Lernen gehe es weniger ums Wohlfühlen, wurde eher ignoriert. Nun ja.

Fazit

Das Risiko, die Klausur zu bestehen, hatte in diesem Semester zwei wesentliche Ursachen. Man bestand die Klausur nur zu 14%, wenn man die die Klausur im vorherigen Semester aufgeschoben hatte. Viele bestanden die Klausur auch deshalb nicht, weil man in früheren Semestern die Klausur nicht bestanden hatte und eher wenig am Agilen Studieren und/oder an den Präsenzterminen teilnahm.

In diesem Sinne freut es mich, dass diejenigen, die aktiv studieren und bisher nichts verschieben mussten, so erfolgreich waren.

Wie auch im letzten Semester hat meine Strategie, früh Nicht-Aktive aus den Gruppen zu entfernen, funktioniert. Wer wollte, konnte wieder in die bisherige Gruppe zurückkehren, vorausgesetzt die restliche Gruppe stimmte zu. Das hat der eine oder andere Student genutzt.

Allerdings führte dies dazu, dass manche Gruppe recht klein wurde. Da dies meist Studenten aus dem dritten oder vierten Semester betrifft (13 von 19) überlege ich, ob ich die Gruppenteilteilung im kommenden Semester aufteilen soll: nur Gruppen mit Zweisemestern und Gruppen mit Dritt- oder Viertsemestern.

Die Software zur Gruppeneinteilung unterstützt nicht nur die Angabe von Teilnehmerpräferenzen, sondern auch die Ergebnisse eines kleinen Persönlichkeitstests. Ein Kollege hat in seiner Veranstaltung des zweiten Semester damit gute Erfahrungen gemacht. Vielleicht nutze ich das im kommenden Semester.

Etwas Zeit zum Planen bleibt ja noch.

Und vielleicht liest dies auch der eine oder andere Teilnehmer des Agilen Studierens im kommenden Semester und stellt die eigene Lernplanung darauf ein. Wünschen kann man sich ja etwas.