Yvonne Maul, Studentin der Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Heilbronn, schreibt in einem Gastbeitrag über ihr Thesisvorhaben.


Agiles Studieren gibt es nun seit dem Wintersemester 2014 an der Hochschule in Heilbronn. Eine Gruppe von Professoren im Studiengang Wirtschaftsinformatik befassen sich mit der Adaption des agilen Manifests auf die Wissensvermittlung an Hochschulen. Als Grundlage dafür wurde im ersten Schritt das Vorgehensmodell Scrum herangezogen.

Wie kann die Vermittlung von Lerninhalten gestaltet werden, um eine bessere Transparenz über den Lernfortschritt der Studierenden zu erlangen? Wie kann der Unterricht gestalte werden, damit die Studierenden zum selbstständigen und eigenmotivierten Lernen angeregt werden? Wie kann die Begeisterung der Studierenden für die Inhalte der einzelnen Kurse getriggert werden? Interaktion ist einer der Schlüsselbegriffe. Doch wie kann eine Interaktions-Didaktik gelebt werden?

Obwohl sich der Einsatz von Scrum anfänglich als ein Mehraufwand von Seiten der Professoren gezeigt hat, konnten auf längere Sicht einige Vorteile für sowohl die Studierenden als auch für die Professoren daraus entstehen. Aufgrund dessen wird an dem Konzept des agilen Studierens auch weiterhin festgehalten und soll stetig durch neue Ideen und Erfahrungen ergänzt und weiterentwickelt werden.

Auch ich durfte von Beginn meines Studiums, im Wintersemester 2015, ein Teil des agilen Studierens sein. Nun bin ich am Ende meines Studiums und habe die Chance in Form meiner Abschlussarbeit meine eigenen Ideen, Erfahrungen und Forschungen mit in das bestehende Vorgehen einzubringen.

Forschungsfrage und Zielsetzung meines Forschungsvorhabens

Das grundsätzliche Ziel, welches ich mit meiner Arbeit anstrebe, ist die Untersuchung des aus dem bestehenden Ansatz resultierenden Lernverhaltens in Relation zu anderen agilen Vorgehen. Gibt es neben Scrum auch andere agile Methoden und Werkzeuge, die für das agile Studieren geeignet wären, wie bspw. Kanban? Kann durch diese Methoden das bestehende Vorgehen ergänzt werden, um ein verbessertes Lernverhalten zu bewirken?

Um meinem Forschungsvorhaben näher zu kommen beginnt meine Arbeit mit einer ausführlichen Analyse des Ist-Zustandes. Es werden die elementaren Bestandteile des bestehenden Prozesses analysiert und in einer abstrakten Darstellung festgehalten. Im weiteren Schritt dienen Experteninterviews, Erfahrungsberichte, Befragungen und Umfragen als Grundlage zur Identifizierung von Hemmnissen, die innerhalb des Vorgehens Herausforderungen darstellen. Ebenso werden potenzielle agile Methoden, Werkzeuge und Techniken in dessen Nutzen und deren Bestandteile untersucht. Nach der Betrachtung des aktuellen Zustands in seinen Einzelteilen erfolgt eine Bewertung der einzelnen Methoden in einer Bewertungsmatrix. Das Ziel ist es herauszufinden, welchen Einfluss die untersuchten Methoden auf die bestehenden Hemmnisse haben und wie sich dieser Einfluss auf das Lernverhalten der Studierenden auswirkt.

Nach der Einordnung und Bewertung der Methoden stellt sich nun die Frage, wie diese in den bestehenden Prozess zur Vermittlung von Lerninhalten integriert werden können - oder gibt es sogar ein Vorgehen, dass Scrum ersetzen könnte? Im letzteren Teil der Arbeit erfolgt dann die Demonstration eines Praxisbeispiels in der Ausgestaltung einer Simulation.

Gibt es in der Leserschaft Personen, die bereits Erfahrungen mit Agilen Methoden als Mittel zum Lehren gemacht haben? Ich bin offen und dankbar für Anregungen von euch, die mir helfen können mein Thema weiter auszubauen. Mails gerne an “ymaul AT stud.hs-heilbronn.de”.